Von: Prof. Dr. Barbara Käsmann
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Date: 28 May 2005
Time: 22:16:20
Liebe Bettina, Das Head-Nodding (Kopfwackeln oder Kopfnicken) ist nicht spezifisch typisch für Achromatopsie, es findet sich bisweilen bei allen angeborenen Sehbehinderungen und hängt damit zusammen, dass es bei angeborenen Sehbehinderungen in der Regel zu enem Nystagmus (Augenzittern) kommt. Das Head Nodding ist an den Nystagmus gekoppelt. Es tritt vor allem dann auf, wenn die Seh-Anforderungen größer sind als sonst - so eben, wie Sie es ja beobachtet haben, in der Ferne und zum Beispiel beim Fernsehen. Häufig kommt es ja bei Augezittern auch zu sog. Kopfzwangshaltungen: der Kopf wird bei hohen Sehanforderungen gedreht oder angehoben oder gesenkt, da dies den Nystagmus beruhigt (man spricht dann von einer Beruhigungszone des Nystagmus). Sollte sich so eine Kopfzwangshaltung auch bei Ihrem Sohn finden, dann besteht die Möglichkeit, eventuell eine nystagmus-beruhigende Operation durchzuführen. Dies könnte dann sowohl die Kopfzwangshaltung lindern als auch das Head Nodding beruhigen. Wenn eine solche Kopffehlhaltung nicht eingenommen wird, der Nystagmus in der Nähe aber sehr viel ruhiger ist als in der Ferne, gibt es eventuell auch eine operative Möglichkeit, den Nystagmus und damit auch das Head Nodding zu beruhigen. Oft ist es auch nach solchen Operationen so, dass sich in besonderen Stress-Situationen (Prüfungen, Klassenarbeiten) nach wie vor ein kleines head Nodding einstellt. Ihr Sohn merkt das Kopfwackeln in den Momenten nicht bewusst - für ihn macht es das Sehen in diesen Momenten aber etwas einfacher. Lassen Sie ihn daher ruhig und versuchen nicht, es ihm zu shr bewusst zu machen. Später, wenn er älter wird, wird er wie andere Nystagmuspatienten auch wissen, dass er zu unbewusstem Head Nodding neigt und wird dies dann in entsprechenden sozialen Situationen, an denen es unangenehm / befremdlich auffallen könnte, zu unterdrücken wissen. Mit freundlichem Gruss, Prof Dr Barbara Käsmann
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